ARBETETS MUSEUM
NORRKOEPING


 






Da sitzt Alva. Guck, durch eines der vielen Fenster kannst Du sie sehen. Im fünften Stock in diesem merkwürdigen Gebäude auf dem Wasser. Sie ist eingeschlafen. Kein Wunder, sie arbeitet sechs Tage in der Woche und das nun schon seit über dreißig Jahren. Heute ist sie wieder um halb vier Uhr aufgestanden. Die Arbeit hat sie müde gemacht. Alva sieht aus, als würde sie träumen; ihre Finger bewegen sich im Schlaf. Durch die großen Fenster der Weberei scheint hell die Sonne. Es ist sehr laut, denn die Ma-schinen stehen nie still. Wie konnte sie dabei nur einnicken.
Jetzt weckt sie eine Kollegin. Sie sagt Alva, daß die Frühschicht bald zu-ende sei. Aber Alva blickt sie verstört an, als kenne sie die Frau gar nicht. Wach auf Alva! Oh, nun merkt sie, wo sie ist und lacht. Sie erzählt der Kol-legin von dem Ort, an dem sie gerade war. Stell dir vor, die Fabrik ist ein Museum. Nun lacht auch die Kollegin. Dann wird sie ernst und sagt, daß der Gedanke gar nicht so abwegig sei, bei den Gerüchten um die Schlie-ßung.
Es sah alles ganz anders aus im Traum. So aufgeräumt, klar und leer. Große Stellwände zeigen Fotos und Alva liest ihre Beschriftungen. Sie läuft die Treppen hinunter, um zu sehen, wie es so umgestaltet ist, ihr „Bügeleisen“. Im vierten Stock ist die Tür verschlossen, ein Schild sagt ihr, daß dies eine Bibliothek ist und es auch Konferenzräume gibt. Im Weiter-gehen sieht Alva im Treppenhaus ein Bild von sich an der Wand hängen. Sie sieht genauer hin und ist erstaunt. Da hängt nicht nur ein Foto, es gibt dort ganz viel über ihr Leben nachzulesen. Ein Stockwerk darunter ist eine Ausstellung über die Vision von einer guten Arbeit. Alva grübelt ein biß-chen, als sie jemand anstößt.
Was? Wer hat da etwas zu ihr gesagt? Huch, jetzt ist sie wieder in der Realität. Alva runzelt die Stirn und fragt die Kollegin, ob sie sich schon einmal Gedanken gemacht habe über die Arbeitsbedingungen in Norrkö-pings Textilfabriken, ob sie sich sicher und geborgen fühle und ob sie schon einmal nachgedacht habe über den Unterschied zwischen der Ar-beit der Männer und ihrer, der Frauen. Die Kollegin ist etwas verwirrt, nee Alva. Ich auch nicht, aber die Fragen lassen sie nicht los.
Und Alva grinst, auch wenn ich ab und zu mal einnicke, ich arbeite doch gern.

Das Arbetets Museum liegt auf der Insel Laxholmen im Motala Strom, in dem zur Kulturlandschaft gemachten alten Industriebezirk von 60221 Norrköping/Schweden. Das Museum hat von 11 bis 17 Uhr täglich ge-öffnet, der Eintritt ist frei. Die Bibliothek steht den Besuchern von 11 bis 15 Uhr von Montag bis Freitag zur Verfügung. Das Café/Restaurant bietet Speisen und Getränke an von Montag bis Freitag in der Zeit von 11.30 bis 16 Uhr. Die Telefonnummer ist 011-189800. Das Museum hat die Inter-netadresse: www.arbetetsmuseum.e.se. Kontakt über e-mail bietet die Adresse: info@arbetetsmuseum.e.se. Das Museum stellt die Arbeit und ihre Bedingungen dar, heute wie früher, in Schweden wie auch in ganz Europa. Es hat keine eigene Objektsammlung, dafür aber eine „Erinne-rungs-Bank“ mit Fotografien, Videoaufnahmen von Interviews, Autobio-graphien und Tagebüchern. Die Ausstellung im Treppenhaus über Alva Carlsson ist die einzige Dauerausstellung.

Katharina Fibig




Das Copyright liegt bei den AutorInnen

 

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Letzte Änderung: 30.11.2002, SM