SPIELKARTENMUSEUM
ISSY-LES-MOULINAEUX
Adresse:
Musée Français de la Carte à Jouer,
Galerie d'Histoire de la Ville,
F - 92130 Issy-les-Moulineaux
Info-Tel. 01 46 42 33 76 , Fax 01 46 45 31 36
- Anfahrt:
-Métro : ligne 12 (terminus Mairie d'Issy)
-RER : ligne C
-Bus : 39.123.126.169.189.190.289.290.323
-Tram : Val de Seine T2
-Parkplatz in der Rue du Général Leclerc (200m entfernt)
- Öffnungszeiten:
Mittwoch, Samstag, Sonntag 10 - 19 Uhr
Donnerstag, Freitag für Gruppen auf Vereinbarung
- E-mail:musee@ville-issy.fr
Welt im Spiel. Das Spielkartenmuseum in Issy-Les-Moulinaeux
Spiel ist Spiel und Ernst ist Ernst, oder etwa nicht? Unzählige Theorien befassen sich mit dem Phänomen des Spiels, von der Mathematik über die Biologie bis zur Philosophie. Der Kulturwissenschaftler Johann Huizinga rückte das Spiel bereits 1938 als grundlegende kulturschaffende Fähigkeit in den Mittelpunkt seiner Kulturtheorie. Dem Homo ludens, den spielenden Menschen setzt er den Homo Faber, den schaffenden, arbeitenden Menschen entgegen.
Vom Ernst des Spiels zeugen die atmosphärisch dichten Schwarz-Weiß-Fotografien von Thierry Dehesdon, auf denen Kartenspielende in verschieden Bars und Clubs des kleinen Ortes Issy-les-Moulineaux bei Paris porträtiert sind. Die Bilder waren eine Auftragsarbeit des hier 1997 gegründeten ersten französischen Spielkarten-museums und wurden bei der Eröffnung des Museums präsentiert.
Auch wenn man bis heute nicht weiss, woher die Spielkarte ursprünglich kommt, aktenkundig wurde sie zunächst durch Verbote am Ende des 14 Jh.. Diese konnten ihren raschen Siegeszug durch die europäischen Länder jedoch nicht verhindern. So berichtet die Spielkarte von einer europäischen Kunst-, Sozial- und Kulturgeschichte, die bereits auf einen Zeitraum von 600 Jahren zurückblicken kann. Sie erzählt von sich entwickelnden Reproduktionstechniken, von verschiedenen künstlerischen Gestaltungen bis hin zu ihrem sozialen und kulturellen Kontext, von denen insbesondere Anekdoten wie Schenkungen und Zweckentfremdungen der Karten, z.B. als Einkauszettel, zeugen.
All diesen Geschichten, die die Karten erzählen können, sollen sich die Besucher im "Musèe Francais de la Carte à Jouer" auf spielerische Art und Weise nähern können. Dies ermöglicht eine ausgeklügelte Ausstellungsarchitektur mit Drehtafeln und Schiebekästen des eigens für die Sammlung entworfenen Museumsneubaus, der in seiner Gestaltung die Form einer Spielkarte spielerisch aufnimmt.
Der Bestand des Museums geht auf eine Schenkung von über 100 Spielen durch den Sammler Louis Chardonneret 1930 an die Stadt Issy zurück, der inzwischen auf etwa 9000 Objekte erweitert werden konnte. Neben der Präsentation verschiedenster Spielkarten zeigt das Museum auch zahlreiche andere Objekte aus der Welt des Spiels. So zählt eine komplett eingerichtete Typographenwerkstatt aus dem 18. Jahrhundert zu den schönsten Ausstellungsstücken.
Die Museumsmacher legen Wert auf eine moderne Inszenierung und dialogische Vermittlung der Exponate, sie wollen aber auch durch kulturelle Veranstaltungen, Sonderausstellungen, Aktionen mit Kindern oder Konferenzen im Museum kultureller Treffpunkt der Stadt sein. Nicht zuletzt wegen dieses Konzeptes erhielten sie 1999 den ersten Preis als europäisches Museum des Jahres von Europäischen Museumsrates.
Vielleicht begegnet ihnen ja bei ihrem nächsten Paris-Besuch ein kleiner weißer Hase, der sie von ihrem Weg zum Louvre abbringt, und wenn ihnen dann auch noch die rote Herzkönigin gegenübersteht, dann sind sie entweder bei Alice im Wunderland oder im Spielkartenmuseum in Issy gelandet. Vielleicht sogar beides.
Sabine Klein
Das Copyright liegt bei den AutorInnen
Bildnachweis: Spielkarten, geschreddert (Kunststoff), Spielbank Berlin, 2001(unten)
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Letzte Änderung: 30.11.2002,
SM