Folgen Sie diesem Zeichen, um mehr Literatur zum Thema anzusehen_ _Theorie

Referat zu Museumskonzepten bezüglich eines sich ändernden Identitätsbegriffes

Ich beziehe mich hier hauptsächlich auf den Text von Antoni Nicolau, Direktor des Museo d'Historia de la Ciudad, Barcelona, Spanien: Globalisation and Urban society: Museum between Identity and Diversity. Ich gehe dabei aber von einer bestimmten Blickrichtung aus, die sich aus den Diskussionen in unserer Referatsgruppe und bezüglich der anderen Texte gestellt hat und beziehe ihn somit auf weitergehende aktuelle Debatten. Fokus und Blickrichtung ist der Begriff der Identität.
Etwas ausführlicher als das im Referat möglich war, fasse ich hier zunächst meine Überlegungen zum Identitätsbegriff zusammen.
Danach folgen meine Stichworte zum Referat und am Ende versuche ich noch einen Bogen zu spannen zu der Idee unserer Fragebögen.

1. Identitätsbegriff

Die Debatte ist komplex, disparat, und scheint weiterhin in vollem Gange. Dies zeigen auch schon die Neuveröffentlichungen: Lutz Niethammer: Kollektive Identität (ca. 600 Seiten) Heiner Keupp: Identitätskonstruktionen ...allein zwei Erscheinungen diesen Jahres die den Begriff im Titel tragen, doch im weitesten Sinne kreist fast alle Kulturtheorie zur Zeit darum, scheint mir. Den Begriff einzugrenzen wird damit nicht einfacher. Gerade im Bezug auf ein Kollektiv empfehlen viele Stimmen, sei er zumindest analytisch unbrauchbar wenn nicht gefährlich. Warum verwenden sie ihn trotzdem?
So schreiben Aleida Assmann und Heidrun Friese in der Einleitung zu "Identitäten. Erinnerung, Geschichte, Identität 3 " (Fr.a.M. 1998): "In den letzten zehn Jahren hat sich das Wort ‚Identität' in unserer Sprache epidemisch ausgebreitet. Nicht nur daß Individuen Identitätskrisen durchmachen und auf der Suche nach ihrer Identität sind, auch Unternehmen und öffentliche Verwaltungen schaffen sich eine ‚corporate identity', Städte und Regionen proklamieren eine Identität, Minoritäten beharren auf ihrer kulturellen Identität und fordern entschieden ihre Anerkennung - der Begriff scheint in unseren Köpfen und Texten allgegenwärtig. Aber nicht um die Konjunktur dieses ‚Plastikwortes' (Uwe Pörksen) soll es in diesem Band gehen, sondern um die Bedeutung und Reichweite eines transdisziplinären Begriffs, der in der Kulturwissenschaft zunehmend Aufmerksamkeit beansprucht."

Hermann Bausinger konstatierte bereits 1978 den inflatorischen Gebrauch des Wortes "Zweifellos ist Identität ein modischer Begriff; aber sprachliche Moden - auch solche in Wissenschaftssprachen - kommen nicht von ungefähr. Von Identität ist deshalb soviel die Rede, weil Identität zum Problem geworden ist. Der Begriff verkörpert, soweit die Konnotationen auseinanderlaufen mögen, ein Moment von Sicherheit und Ordnung inmitten des Wechsels, und sein besonderer Reiz liegt dabei darin, daß er nicht eigentlich die Bedeutung von Starrheit und Erstarrung vermittelt, sondern daß er verhältnismäßig elastische etwas bleibendes in wechselnden Konstellationen anvisiert." ( In: Grundzüge der Volkskultur, Hg.: Bausinger, Jeggle u.a., Darmstadt 1978, S.204)

Wolfgang Kaschuba nimmt in seiner Einführung in die Europäische Ethnologie auf genau diese Stelle Bezug (München 1999). Er verweist auf die anthropologische Konstante dessen, was der Begriff beinhaltet, der Mensch als soziales Wesen: "Insofern läßt sich der Begriff Identität als ein anthropogens, also menschheitsgeschichtliches Grundmuster verstehen, das in den Wunsch mündet, sich als soziales Wesen in den Zusammenhang seiner Umwelt einzupassen und dabei durch Übereinstimmung wie durch Abgrenzung seinen spezifischen "sozialen Ort" zu finden."(ebda. S.134) Er verweist weiter darauf, daß Identität nur als soziale Praxis verstanden werden könne: " ... als ein Umsetzen allgemeiner Regeln und Vorstellungen des eigenen So-Seins in konkretes kommunikatives und interaktives Verhalten, das sich mit jeder Veränderung der Situation wiederum selbst verändert."(ebda. S.135)
Hier sind wir auch schon bei sich anschließenden Diskussionen über diese Herstellungsprozesse, über die Anforderungen einer "reflexiven Moderne" in der das Individuum angeblich ganz anders und neu gefordert ist, diese Leistungen zu vollbringen, eine Ort in der Gesellschaft zu finden wie so etwas wie Sinn und geglückt Integration...

Doch dieses alles ist nun doch sehr eklektisch und kursorisch, ich wollte nur einen kurzen Einblick vermitteln und evtl Lust zum weiterlesen machen. Was bei meiner Beschäftigung sich für mich bisher als zentral herausgestellt hat, ist die Unterscheidung von personaler und kollektiver Identität. Hier besteht oft eine Begriffsverwirrung, die nicht von ungefähr kommt, aber auch ein gefährliches Potential birgt. Die personale Identität als ein Begriff aus der Individualpsychologie hat natürlich etwas mit Gesellschaft und Sozietät zu tun, wie es Kaschuba auch verdeutlicht. Wird dieser Begriff nun aber übertragen auf eine Gruppe: "Die Brandenburger", "Die Berliner", "Die Deutschen" und ihre Identität sind wir ganz schnell bei der Anthropologisierung von Gruppen, bei statischen, nicht mehr verhandelbaren Bildern, bei Biologismen, bei so etwas wie dem "Volkskörper", der auch eine "Volkspsyche" hat. Wir sind mitten im Diskurs um Nation.
Der Begriff der Identität ist auf der kollektiven Ebene auf jeden Fall auch ein Politikum und wir so auch benutzt. So zum Beispiel in sogenannter Identitätspolitik.

Der Begriff der kollektiven Identität ist also mit Vorsicht zu genießen, hier sollte genauer hingeschaut werden, wie sich so etwas konstruiert. An dieser Stelle sei dann also noch einmal auf die Begriffe des kollektiven und sozialen Gedächtnisses verwiesen, die im Seminar des öfteren schon angesprochen wurden. Zentral sind dabei die Schriften von Aleida und Jan Assman, die in gewisser Tradition mit den Theorien von Maurice Halbwachs stehen. Über diese Begriffe lassen sich die Vorgänge und die Herstellungsprozesse von so etwas wie einer Gemeinschaft ganz gut fassen zur Zeit. Vor allem auch, da sie eben nicht statisch sind, sondern sehr viel Raum für sich verändernde Prozesse von Erinnerung, Erzählen Geschichte usw. geben.

Was hat das alles nun mit Museen zu tun?
Sie stehen mitten in diesen Debatten, zumindest wird das in den Texten und bei Nicolau so gesehen. Und zwar auf beiden Ebenen, einerseits auf der der kollektiven Identität und hier vor allem sind sie in ihrer Geschichte eng verwoben mit der Konstituierung von Nationen, andererseits aber auch mit der Frage, was für ein Individuum eine "gelungene Identitätsarbeit" heute bedeutet.
Über beiden steht auch die Frage, wie können wir lernen mit Diversität umzugehen.

2. Das Museum zwischen Identität und Diversität (Antoni Nicolau)

- Museen haben etwas mit kulturellem Erbe zu tun und mit Identität. Mit so etwas wie Kultur oder Kulturen.
- Sie stehen in einem bestimmten Verhältnis zur Gesellschaft und haben innerhalb dieser eine soziale Rolle und einen Auftrag.
- Infolge der "Krise der Moderne" ändern sich sprunghaft die Grundsätze auf denen die Idee des Museums basiert, denn die Identitäts - und Kulturkonzepte der urbane Gesellschaft sind im Wandel begriffen.
- Das Museum als gesellschaftliche Institution muß zu diesen Entwicklungen vielschichtig Stellung beziehen: seine eigenen Stellung definieren. Seine Aufgabe, und auch seine aktuelle und historische Verwicklung in die Konstituierung und Definition von Begriffen wie Kultur, Nation, Identität, Multikultur, Europa, Globalisierung usw. hinterfragen und neudefinieren, bzw. zur Disposition stellen.

Kulturerbe und nationale Identitätskonzepte

- Historisch bestätigten und erschufen Museen ein Kollektives Gedächtnis mit. Das "Kulturelle Erbe" ist dabei ein zentraler Begriff der zugrundeliegenden Idee.
- Dieses Kulturerbe existiert als solches nicht: Es ist immer auch eine soziale Konstruktion und Teil der symbolische Ordnung. Bezüglich des Nationalstaates ist es auch Teil eines Konzeptes der Moderne
- Es ist eng verbunden mit Gruppenformierung und Zusammenhalt, dabei vor allem mit der Idee des Nationalstaates. ( vgl. hierzu Hobsbawm: Traditionen wurden auch erfunden im Prozeß der Nationalstaatsbildung, bzw. der Nationalstaat hat sich erfunden)
- Dieses kulturelle Erbe /bzw. Gruppen sind/waren ein Bezugspunkt für Identitätskonstruktionen innerhalb eines Kollektivs. Es stellt so etwas wie Übereinstimmung und Abgrenzung zu anderen Gruppen und Zugehörigkeiten her.
- Dies beinhaltet oft ein Bild der Unveränderlichkeit: "Es war schon immer so". Gründungsmythen werden geschrieben u.ä.
- Museen sind also eng mit bürgerlichen Konzepten verbunden: dem Durchsetzten einer bürgerlichen Kultur als "Leitkultur". In diesem Zusammenhang sind auch die Verschränkungen des Museums mit der Volks- und Völkerkunde zu sehen. Bei der einen wurde die eigene Kultur festgeschrieben bei der anderen die andere Kultur in Abgrenzung zur eigenen beschrieben, ausgestellt usw. Dies wiederum ist eng verbunden mit der gesamten Kolonialgeschichte. Auch das Ausstellen von Klassik, als Bezugspunkt einer bürgerlichen Klasse im Museum kann in diesen Kontexten gesehen werden. D.h. Museen als Kultureinrichtungen und Kulturvermittler waren beteiligt an der Konstituierung von nationalen Identitätskonstruktionen und Traditionen sowie eines eurozentrischen Blickes und eines ahistorischen Weltbildes.
- Einerseits dienten Museen also dazu, eine hegemoniale, essentialistische Kultur zu propagieren, zu legitimieren und zu erschaffen. Sie sind Teil dieses Identitätsbildungsprozesses. Symbole der überlegenen Fähigkeiten und der Kraft der Kolonialstaaten.
- Andererseits: Konnten sie teilweise auch den hegemonialen Blick auf die Realität umstürzen oder variieren. Indem sie fremde Kulturen zeigten und somit kulturelle Begegnungen vorantrieben wiesen sie durchaus auch in Richtung einer Demokratisierung.


Identitätspolitik und neue Gruppenzugehörigkeiten

- Auf der einen Seite stehen Globalisierung, Auflösung von Nationalstaaten, globale Märkte und Medienflüsse
- Auf der anderen Seite: werden neue Gruppenzugehörigkeiten konstruiert auch als Teil von Identitätspolitik, die so Interessen durchzusetzen versucht (Globalisierung und Regionalisierung), (Zu Bedenken ist dabei: Nicolau spricht als Katalane: Regionale Anerkennungskämpfe spielen eine Rolle!)

- Das Argumentieren mit Identitäten (regionalen, klassenspezifischen oder sonstigen) ist einerseits ein Mittel der politischen Interessenvertretung - andererseits besteht dabei die Gefahr des Ausschlusses durch das Wiederaufleben von unverrückbaren Bildern einer sich nicht ändernden, geschlossenen und homogenen Kultur.
- Dies wiederum birgt die Gefahr von Ausschlußmechanismen und von Gewalt.

- Die Verteidigung der kulturellen Vielfalt dürfe nicht zu einem Kulturrelativismus werden, der Gewalt gegen Menschen mit kulturelle Besonderheit rechtfertigt.

- Nicolau warnt hier vor einer falsch verstandenen Postmoderne: unter diesem Deckmäntelchen verstecke sich eine neue Heterophobie (Wie, indem das Ende des Subjekts ausgerufen wird, wird eine verkappte Angst vor dem Fremden ausgemacht???) Der gerechtfertigte Wunsch, die Mythen der Moderne zu überwinden führe hier zu neuen Individualismen und zu einem Kulturrelativismus, der zynisch und gefährlich sei. (Weil er Gewalt rechtfertigt)

- Unter dem Argument der kulturellen Einzigartigkeit werden politische Interessen durchgesetzt, und Orte wie Museen leicht für diese Zwecke instrumentalisiert. Neue Abstammungsgemeinschaften werden dadurch inszeniert und unter Multikultur wird dann ein Nebeneinander von verschiedenen aber wieder unveränderlich festgeschriebenen Kulturen verstanden!!! (AC)

- Museen dürften sich hier nicht instrumentalisieren lassen um neue unveränderliche Identitäten festzuschreiben. Und neue Mythen zu schreiben.

- Was bedeutet Diversität? Vor allem im alltäglichen Umgang, in der Umsetzung von Konzept, in dem Umgang mit dem eigenen Wertvorstellungen? Antworten in dem Sinne können auch nicht einfach gegeben werden. Hier sind wir inmitten der aktuelle Debatte um Multikultur genauso wie bei einem postmodernen Diskurs: Was heißt Anerkennung des Anderen, Auseinandersetzung mit ihm/ihr? Wo sind die Grenzen, was ist die Basis, von welchem Standpunkt aus sprechen wir? Wie gehen wir mit kulturellen Unterschieden um?


Kommerzialisierung - Konsumkultur

- N. warnt vor einer Vereinnahmung durch die Konsumkultur. Museen könnten als Vergnügungs- und Erlebnisorte einer kapitalistischen Gesellschaft fehlverstanden, mißbraucht werden.

Die steht in engem Zusammenhang mit der ökonomischen Situation:
- Aufgabe der Museen könne nicht ökonomisch bemessen werden! Denn Museen haben einen gesellschaftlichen Auftrag.

- Dabei ist festzustellen: Einerseits gab und gibt es einen jährlichen Anstieg der Museen sowie der Besucherzahlen, des Interesses. Dem gegenüber stehen immer geringere öffentliche Gelder.

Museen zwischen Tradition und Erneuerung

- Museen sollten ihrer Tradition und ihrem Auftrag in gewisser Weise treu bleiben, so zumindest verstehe ich Nicolau. Sie sollten in ihrer eigenen Tradition fußen, sich auf ihre Qualitäten beziehen. D.h. in Abgrenzung zu anderen sozialen Einrichtungen wie Sozialarbeit, Pädagogik, Schule, die andere Aufgaben und Herangehensweisen haben.

- D. h. meines Erachtens hier auch , Museen sollen sich weiterhin mit so etwas wie Identität auseinandersetzen: aber eben mit einem diskursiv gewordenen Identitätsbegriff!

- Aber Identität muß dann als etwas Gewordenes, Verhandelbares und Veränderliches verstanden werden. Etwas, das immer "in Bezug steht zu..." Museen können innerhalb dieser Suche Fragen stellen und Antworten geben.

- Nicht in der Information solle das Museum seinen Auftrag sehen, sondern im Inhalt und im Versuch Antworten auf Fragen zu geben, solle das Ziel liegen.

- Um die Gefahren von neuen Identitätsbildungen zu umgehen, sind neue Wege zu suchen: Dialog zwischen dem Individuum und dem Universellen, sowie zwischen der Vergangenheit, der Zukunft und der Gegenwart.

- D.h. das Museum wird auch zum Ort der Aushandlung und der Bewältigung inhärenter Widersprüche in Gesellschaften, in Individuen und somit in Identitätskonzepten.

Was sollten Museen heute leisten?

- Es könnten die dynamischen und historischen Dimensionen von Begriffen wie kulturelles Erbe und Kultur aufgezeigt werden, und damit auch von sich in Veränderung befindlichen Identitätskonzepten.

- Nationen nicht als natürliche und erfahrbare Einheiten sehen und darstellen, sondern als etwas Konstituiertes und sich stets Wandelndes.

- Die Dekonstruktion von Mythen statt ihrer Konstruktion betreiben, indem ihre Relativität und verschieden Lesarten herausgestrichen werden.

- Raum schaffen für Dialog, für Denken und Kreativität und Gesellschaftskritik.

- Museen stehen somit in einem Prozeß des Nachdenkens, was eine Kultur als ihr Erbe sehen will, wie Identitäten konstruiert und verändert worden sind/werden.

- Ihr Beitrag zur Gesellschaft könnte sein, einen Blick auf die Diversität von Kultur und Mensch zu eröffnen, auf die Widersprüche und somit Diversität als Teil des kulturellen Erbes betrachten!

- Beitrag leisten zum Verständnis der Prozesse: Prozesse der Durchsetzung von Ideologien, der Mechanismen des Ein- und Ausschlusses, der Bedeutung von Geschichte für die Gegenwart und Zukunft. Sie könnten dann zu einer Zukunft beitragen, die auf kulturelle Vielfalt, auf Respekt der Natur und Menschen mit ihrer Identität und ihrem symbolischen Erbe basiere.

- Die Stadt als historsicher Ort des Migranten und der kulturellen Vielfalt in ihren Traditionen könne dabei als Beispiel dienen. Denn sie ist historisch schon immer der Ort von Vielfalt gewesen und somit von dialogischen Prozessen und Aushandlungsprozessen.
- Die Stadt kann so als ein Laboratorium fungieren für Identitätsbildungsprozesse von und zwischen Migranten, ein Experimentierfeld für kultureller Diversität sein.

- Ein Nachdenken über Stadt könne also ein Themenfeld für die Museen sein, anhand dessen sie ich über alle genannten Problematiken auseinandersetzen könnten

- Museen könnten folglich Orte sein, die sich mit aktuellen Entwicklungen auseinandersetzen und Stellung beziehen. Die Interpretationen anbieten, ein Nachdenken anregen, Kritik üben, anderer Sichtweisen eröffnen und sie sollten nicht Orte der Ausstellung von Vergangenheiten sein.


Milan Kundera - Was wollen wir Erinnern?

Der inflationäre Gebrauch des Begriffes ist allerorten zu beobachten, daß ein Literat wie Milan Kundera seinen Roman den Titel "Identität" gibt, erstaunte mich dann doch und macht mich Neugierig. Hier geht es auf einer sehr persönlichen Ebene, der der Freundschaft und Liebe um Themen wie Erinnerung, Selbstvergewisserung und Spiegelung.

Die vorgelesene und eine weitere Stelle liegen als Kopie im Ordner bei.

Hieran möchte ich eine sehr assoziative Verbindung zu den Museen knüpfen. In der ausgewählten Episode besucht der Protagonist einen Freund, der ihn enttäuscht hat und dessen Freundschaft er lange aufgesagt hat. Der Freund liegt im Sterben und beschwört Jugenderlebnisse als gemeinsame Erinnerungen ihrer Freundschaft und Gemeinsamkeit herauf. Der Protagonist sagt, er könne sich nicht erinnern und er wolle sich nicht erinnern. Er legte keinen Wert mehr auf diese Gemeinschaf.

Was ist nun mit den Museen, wollen wir hier einen Spiegel vorgehalten haben, und wenn ja welchen? Was wollen wir Erinnern und was lieber nicht? Setzt hier das Museum als kritische Instanz ein, als eine die aufrüttelt und sagt, ihr wollt vielleicht nicht, aber ihr dürft das nicht vergessen. Und tritt sie auf einer anderen Ebene als eine Instanz ein, die mich schult, die einen pädagogischen Auftrag hat, indem sie sagt, so und so mußt Du das mal betrachten.

Wie ist das mit den Antworten, die das Museum geben könnte, sind es Antworten auf Fragen, die von einem Publikum vielleicht gar nicht gestellt werden? Dann wäre es wieder ein aufklärerischer Ort, der neue Fragen aufwirft ....
Was heißt es vor diesem Hintergrund, wenn Kenneth Hudson sagt, die Museen müssen sich an den Besuchern orientieren? Ist da nicht auch eine Gefahr enthalten, nämlich die der leicht verdaulichen Erlebnisangebote? Woher weiß man was die Besucher wollen oder brauchen?

Fragebögen

Die Idee hinter den von uns ausgeteilten Fragebögen zielte auf diese Überlegungen. Wir wollten von potentiellen Museumsbesuchern, also von euch, erfahren. Was erwarten wir? Was wollen wir überhaupt, wenn wir ins Museum gehen? Und was suchen wir hier vielleicht nicht, oder wo anders? Aus diesen Überlegungen ist der Fragebogen entstanden.

Dies ist natürlich eine schwierige Unternehmung, denn das kaum jemand sagen wird, ich suche Selbstvergewisserung oder Antworten auf Fragen, das war uns schon klar, da dies ja sehr analytische Begriffe sind.
Wir hoffen, daß wir euch aber zumindest ein bißchen an eure eigenen Erwartungen angebunden haben. Zur Zeit finde ich schwierig, etwas zu den Fragebögen zu sagen. Vielleicht sollten wir dieselben noch einmal ausfüllen, am Ende des Seminars, beziehungsweise nach der Exkursion. Dann könnten wir zum Beispiel schauen, ob sich die Kategorien und Maßstäbe zur Beurteilung vielleicht geändert haben.
Und als letzte Frage, auch für die Exkursion: Wie könnte man es schaffen, daß ein Publikum diesen Ort als einen nimmt, an dem es sich erinnern möchte? Als einen an dem es Antworten und Fragen sucht?

Alexandra Claus

Folgen Sie diesem Zeichen, um mehr Literatur zum Thema anzusehen








[start] [koffer] [katalog] [theorie] [literatur] [links] [teams] [kontakt]
Letzte Änderung: 14.04.2001, SM